Interview mit VR-Präsident und CEO
Umfassender Transformationsprozess
Die Komax Gruppe befindet sich in einem Transformationsprozess und hat 2025 ein umfangreiches Massnahmenpaket zur Kostensenkung umgesetzt. Gleichzeitig hat sie in Asien investiert, um langfristig eine starke Position in diesem Wachstumsmarkt einzunehmen.
CEO Matijas Meyer (links) und Verwaltungsratspräsident Andreas Häberli.
Matijas Meyer, wie hat sich der Markt im Geschäftsjahr 2025 präsentiert?
Matijas Meyer: Die Marktsituation war sehr herausfordernd. Insbesondere in Europa war bei unserer Kundinnen und Kunden eine ausgeprägte Investitionszurückhaltung zu beobachten, da sich die Automobilindustrie weiterhin in einer Schwächephase befindet. Auch ausserhalb Europas dämpfte das aktuelle wirtschaftliche Umfeld die Investitionsbereitschaft, die sich ab April durch die Einführung der US-Zölle weiter eintrübte.
Welche Auswirkungen hatten die Zölle?
Matijas Meyer: Der Bedarf an unseren Automatisierungslösungen ist im US-Industriesektor aufgrund steigender Lohnkosten und des Mangels an Fachkräften hoch. Die Einführung von Zöllen verunsicherte jedoch unsere Kundschaft und verzögerte teilweise deren Investitionsentscheide. Dadurch resultierte in Nordamerika eine Umsatzabnahme um rund 16%. Unsere Marktposition in den USA ist grundsätzlich sehr stark. Eine vollständige Weitergabe der Zölle, zusätzlich zur erfolgten Preiserhöhung aufgrund des stark abgeschwächten US-Dollars, war jedoch nicht möglich. Daher reduzierten die Zölle das EBIT der Gruppe um rund CHF 3 Millionen.
Wie sieht es mit dem Automatisierungsbedarf im Industriesektor ausserhalb der USA aus?
Matijas Meyer: In den vergangenen zwei Jahren verzeichneten wir sowohl in den Industrie- als auch in den Infrastruktur- und Transportmärkten eine erfreuliche Nachfrage nach unseren Lösungen. Während der Umsatz der Komax Gruppe in diesem Zeitraum um insgesamt 23% zurückging, erzielten wir in den Märkten ausserhalb der Automobilindustrie ein Wachstum von 5%. Dadurch erhöhte sich deren Umsatzanteil von 28% auf 38%. Die Vorzeichen sprechen dafür, dass sich diese Märkte auch künftig positiv entwickeln werden und der Bedarf an Automatisierungslösungen weiter steigen wird. Dies nicht zuletzt wegen des Aufbaus zusätzlicher Rechenzentren, von dem wir bereits 2025 profitieren konnten.
Andreas Häberli, wo liegen momentan die strategischen Schwerpunkte?
Andreas Häberli: Neben der stetigen Reduktion unserer Abhängigkeit von der Automobilindustrie und dem Ausbau des Servicegeschäfts steht die weitere Stärkung der Marktposition in China im Vordergrund. Ungeachtet der derzeitigen Überkapazitäten in Asien gehen wir von einem anhaltenden Wachstum diese Marktes aus und richten uns entsprechend darauf aus. Unser Wachstumspotenzial ist beträchtlich, zumal aktuell erst 10% unseres Umsatzes in China auf Märkte ausserhalb der Automobilindustrie entfallen.
Was wird unternommen, um dieses Potenzial auszuschöpfen?
Andreas Häberli: Trotz konsequenter Kostensparmassnahmen hat die Komax Gruppe in den vergangenen zwei Jahren weiterhin gezielt in Asien, insbesondere in China und Indien, investiert. Dazu trugen unter anderem die Akquisition von Hosver, dem führenden Hersteller von Maschinen für die Verarbeitung von Hochvoltkabeln, die in Elektrofahrzeugen verwendet werden, sowie die Beteiligung an E-Plus bei. E-Plus vertreibt das in China am häufigsten eingesetzte Manufacturing Execution System (MES) für die Kabelbaumproduktion, das wir nun exklusiv ausserhalb Chinas verkaufen. Zudem haben wir die Produktion in unserem Werk in Tianjin deutlich ausgebaut.
Wie schreitet dieser Ausbau der lokalen Maschinenproduktion in China voran?
Matijas Meyer: 2025 haben wir wesentliche Fortschritte erzielt. Wir brachten sowohl eine vollautomatische Verdrillmaschine als auch eine Maschine zur Verarbeitung von Datenleitungen auf den Markt. Letztere gewinnt laufend an Bedeutung, da durch den zunehmenden Einsatz von Fahrassistenzsystemen und den Übergang zum autonomen Fahren immer mehr Sensoren und Datenleitungen in Fahrzeugen benötigt werden. Mittlerweile produzieren wir einen Grossteil unserer Maschinen nach dem Prinzip «local for local» und verfügen so über vergleichbare Rahmenbedingungen wie unsere chinesischen Mitbewerber. Die derzeit noch bestehenden Lücken in unserem asiatischen Produktportfolio planen wir bis Ende 2026 zu schliessen. Es ist erfreulich zu sehen, wie sich der Know-how-Transfer innerhalb der Komax Gruppe zunehmend auszahlt. Längst profitieren nicht mehr nur unsere chinesischen Produktionsstandorte in Tianjin und Suzhou vom Erfahrungsschatz unserer europäischen Kolleginnen und Kollegen. Der Wissenstransfer wirkt heute in beide Richtungen und trägt dazu bei, die Kosteneffizienz auch in Europa weiter zu steigern.
Die Transformation ist für den langfristigen Erfolg der Komax Gruppe von enormer Bedeutung.
Weshalb nehmen die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E) nicht stärker ab, obwohl immer mehr in Asien entwickelt und produziert wird?
Andreas Häberli: Unsere strategisch angestrebte F&E-Quote beträgt 8–9%. Mit 12.2% lag die Quote im Jahr 2025 klar über diesem Zielwert, obwohl die F&E-Aufwendungen seit dem Höchststand 2023 bereits um 9.8% bzw. CHF 7.9 Millionen reduziert wurden. Dies ist zum einen auf das niedrigere Umsatzniveau und zum anderen auf den laufenden Transformationsprozess der Komax Gruppe zurückzuführen.
Was muss man sich unter diesem Transformationsprozess vorstellen?
Andreas Haberli: Dieser Prozess besteht aus zwei Komponenten: einerseits der Integration von Schleuniger, die zu Anpassungen in der Organisationsstruktur, im Produktportfolio sowie im Vertriebsnetzwerk der Komax Gruppe geführt hat und per Ende 2025 als erfolgreich abgeschlossen betrachtet werden kann. Andererseits beinhaltet er eine verstärkte strategische Ausrichtung auf den asiatischen Markt, was zahlreiche strukturelle Veränderungen zur Folge hat. Die Transformation ist für den langfristigen Erfolg der Komax Gruppe von enormer Bedeutung. Sie ist jedoch in einer ersten Phase mit zusätzlichen Kosten verbunden.
Wo fallen diese Kosten an?
Matijas Meyer: Die durch den Zusammenschluss mit Schleuniger entstandenen Doppelspurigkeiten im deutlich erweiterten Produktportfolio wurden konsequent bereinigt. Ungeachtet dessen werden wir infolge der Einstellung verschiedener Produkte von Komax und Schleuniger über mehrere Jahre hinweg weiterhin Garantieleistungen erbringen müssen. Dies zieht F&E-Aufwendungen im Bereich Wartung nach sich. Auch der Aufbau des Produktportfolios in Asien ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. Zwar werden die F&E-Aufwendungen in Europa nach Abschluss der Lokalisierung künftig sinken, doch in der aktuellen Übergangsphase – in der wir in Asien den Ausbau unserer Präsenz vorantreiben und der Know-how-Transfer noch nicht vollständig abgeschlossen ist – sind gewisse parallele Strukturen unvermeidlich. Zusätzlich haben wir im Jahr 2025 zahlreiche Restrukturierungen an verschiedenen Standorten, insbesondere in Europa, getätigt, die zu Kosten von rund CHF 9 Millionen führten.
Unsere Kostenbasis wird ab 2026 um mindestens CHF 25 Millionen tiefer sein als 2024.
Wann werden sich diese Restrukturierungen auszahlen?
Matijas Meyer: Seit 2024 haben wir ein umfassendes Massnahmenpaket umgesetzt, mit dem die Organisationsstruktur der Komax Gruppe schrittweise verschlankt wird. Ein wesentlicher Teil dieser Massnahmen ist bereits realisiert. Zusammen mit den noch laufenden Initiativen wird sich die Anzahl der Engineering- und Produktionsstandorte innerhalb von gut zwei Jahren bis im Verlauf von 2026 um 25% reduziert haben – von 30 auf 22 Standorte. Unsere Kostenbasis wird ab 2026 um mindestens CHF 25 Millionen tiefer sein als 2024.
Sind die Kosten auch bereits 2025 gesunken?
Matijas Meyer: Zu Jahresbeginn hatten wir Kosteneinsparungen von CHF 10 Millionen ab 2026 geplant, davon sollten bereits CHF 3 Millionen im Jahr 2025 realisiert werden. Im Jahresverlauf haben wir zusätzliche Massnahmen ergriffen, um weitere Synergien zu heben und unsere Kostenbasis nochmals deutlich zu reduzieren. Diese Massnahmen, die unter anderem mit einem erheblichen Stellenabbau verbunden waren, setzten wir sehr rasch um. In der Folge konnten wir bereits 2025 Einsparungen von rund CHF 20 Millionen erzielen und damit CHF 17 Millionen mehr als ursprünglich geplant. Dies hat es uns ermöglicht, trotz des Umsatzruckgangs, der negativen Wahrungseffekte, der Restrukturierungskosten und der US-Zolle ein positives betriebliches Ergebnis zu erwirtschaften. Das erzielte Resultat ist beachtlich und wäre ohne die grosse Unterstützung sowie die hohe Flexibilität unserer Mitarbeitenden nicht möglich gewesen. Dafür danke ich diesen herzlich.
Wie soll das angestrebte Mittelfristziel erreicht werden?
Andreas Haberli: Ab 2027 streben wir eine zweistellige EBIT-Marge an. Angesichts des aktuellen Ergebnisses mag dieses Ziel auf den ersten Blick in weiter Ferne liegen. Dieser Eindruck tauscht jedoch: Mit den angesprochenen Kostensenkungsmassnahmen haben wir bereits wesentliche Meilensteine auf dem Weg dorthin erreicht. Die konsequente Umsetzung dieser Massnahmen hat den Break-even-Punkt deutlich gesenkt. Dadurch benötigen wir künftig einen Umsatz von nicht mehr als CHF 650 Millionen, um eine zweistellige EBIT-Marge zu erzielen. Zwar liegt dieser Wert um rund CHF 70 Millionen über dem im Jahr 2025 erreichten Umsatz, er bleibt jedoch deutlich unter dem Umsatzniveau von CHF 752 Millionen, das die Komax Gruppe noch im Jahr 2023 erzielt hat. Wenn wir unsere Strategie weiterhin gezielt umsetzen und dadurch das Servicegeschäft ausbauen, unser Wachstum in den Industrie-, Infrastruktur- und Transportmarkten fortsetzen und unsere Marktposition in Asien weiter starken, bin ich zuversichtlich, dass wir unser angestrebtes Ziel erreichen können – insbesondere dann, wenn die Automobilindustrie beginnt, ihre Schwächephase zu überwinden.
Wo liegen 2026 die Schwerpunkte?
Matijas Meyer: Unser Fokus liegt unverändert auf der Strategieumsetzung und damit auf der Steigerung der Profitabilität, um den Weg zur zweistelligen EBIT-Marge zu ebnen. Entsprechend werden wir die eingeleiteten Massnahmen konsequent vorantreiben, um unsere Kostenbasis weiter zu reduzieren. Gleichzeitig werden wir fortlaufend prüfen, ob zusätzliche Schritte erforderlich sind. Dabei müssen wir nah bei unseren Kundinnen und Kunden bleiben und den aktiven Austausch pflegen, um ihre Bedürfnisse genau zu verstehen. Nur so können wir ihnen nachhaltigen Mehrwert mit unseren Losungen bieten und uns vom Wettbewerb differenzieren. Einen wichtigen Beitrag dazu werden die verschiedenen neuen Produkte leisten, die wir 2026 auf den Markt bringen werden.