Geschäftsmodell und Strategie
Die Komax Gruppe bietet ihren Kundinnen und Kunden in den vier Marktsegmenten Automotive, Aerospace, Data-/Telecom und Industrial technologisch führende Lösungen für die automatisierte Kabelverarbeitung und strebt danach, ihre Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich zu stärken.
Die globalen Megatrends führen zu mehr und neuartigen Kabeln in den Fahrzeugen, die aufgrund von Faktoren wie Qualität, Effizienz, Komplexität, Kosten, Miniaturisierung und Rückverfolgbarkeit die Nachfrage nach Automatisierungslösungen stetig steigern.
Emissionsreduktion und Elektromobilität
Wachsendes Umweltbewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten und das damit einhergehende Ziel von emissionsfreien Fahrzeugen gehört zu den Megatrends, die das Geschäft der Komax Gruppe langfristig unterstützen. Der Elektromobilität kommt dabei eine entscheidende Bedeutung zu.
Zunehmende Vernetzung von Fahrzeugen
Ein weiterer Megatrend ist die wachsende Vernetzung von Fahrzeugen. Infotainmentsysteme werden immer umfassender und komplexer. Integrierte Informationssysteme bilden die Basis für die Zukunft: das autonome Fahren.
Höhere Sicherheit
Das Bedürfnis nach mehr Sicherheit im Strassenverkehr zählt ebenfalls zu den Megatrends. Dabei steht nicht mehr nur der Unfallschutz im Vordergrund, sondern vor allem auch die Unfallvermeidung. Als Folge davon wird die Anzahl Sensoren in den Fahrzeugen weiter steigen.
Mehr Kosteneffizienz für erschwingliche Fahrzeuge
Schliesslich zeichnet sich auch ein globaler Megatrend zu erschwinglichen Fahrzeugen ab. Dies bedingt eine höhere Kosteneffizienz in der Fertigung, wodurch der Druck steigt, die Kabelverarbeitung weiter zu automatisieren.
Diese Trends unterstützen das Geschäft der Komax Gruppe nachhaltig und bieten langfristige Wachtumsmöglichkeiten.
Steigende Anzahl produzierter Fahrzeuge
Die Komax Gruppe generiert rund 75% ihres Umsatzes in der Automobilindustrie. Die Anzahl produzierter Fahrzeuge ist damit ein wichtiger Wachstumstreiber für das Unternehmen. Nach dem Einbruch 2019/2020 ist die globale Automobilproduktion auf einen Wachstumskurs zurückgekehrt. 2022 wurden weltweit rund 82 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge produziert. Marktanalystinnen und -analysten rechnen in den nächsten vier Jahren mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 3%.
Mehr Kabel pro Fahrzeug
Innovationen im Fahrzeugbau, neue Funktionalitäten und der stetig steigende Ausrüstungsgrad in sämtlichen Fahrzeugklassen führen dazu, dass der Bedarf an Leitungen und Crimpkontakten in der Automobilindustrie weiter zunimmt. Diese seit einigen Jahren spürbare Tendenz wird sich künftig weiter verstärken. Dadurch steigt die Anzahl Kabel, die pro Fahrzeug konfektioniert werden muss.
Vereinfachung des Kabelbaums und Miniaturisierung
Kabelsätze in Fahrzeugen werden immer komplexer. Das erschwert die automatisierte Herstellung. Automobilhersteller arbeiten deshalb an einer Vereinfachung des Kabelbaums. Zonale Bordnetze mit mehreren kleineren statt eines grossen Kabelbaums werden die Länge der Kabel reduzieren, jedoch nicht zwingend deren Anzahl, welche für die Komax Gruppe entscheidend ist. Einfachere Kabelbäume mit kürzeren Kabeln ermöglichen eine deutliche Steigerung des Automatisierungsgrads. Hinzu kommt die voranschreitende Miniaturisierung der Kabel, welche eine manuelle Verarbeitung zunehmend schwierig oder gar unmöglich macht.
Langfristiger Trend zu Automatisierung intakt
Diese Schlüsselfaktoren treiben das Geschäft der Komax Gruppe nachhaltig an. Ein Grossteil der Kabelsatzherstellung erfolgt nach wie vor von Hand. Doch steigende Lohnkosten, knapper werdende personelle Ressourcen und mit der Komplexität wachsende Fehlerquellen begünstigen Investitionen in die Automatisierung. Intelligente Automatisierungslösungen, Qualitätssicherungstools und Testsysteme zur Prüfung von Kabelsätzen helfen, die Effizienz und Sicherheit im Produktionsprozess zu gewährleisten. Automobilhersteller fordern deshalb von ihren Zulieferern den Automatisierungsgrad ihrer Produktion weiter zu erhöhen.
Den Kundinnen und Kunden ist bewusst, dass kein Weg an der Automatisierung vorbeiführt. Die globalen Megatrends werden auch in den kommenden Jahren dazu beitragen, dass die Automatisierung in der Kabelverarbeitung schrittweise zunehmen wird.
Die Komax Gruppe bietet ihren Kundinnen und Kunden in vier Marktsegmenten technologisch führende Lösungen für die automatisierte Kabelverarbeitung und strebt danach, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Überdurchschnittliche Profitabilität und nachhaltiges Wachstum sind dabei wichtige Ziele. Damit verbunden ist ein umweltbewusstes, soziales und gegenüber allen Anspruchsgruppen verantwortungsvolles Handeln. Um die Ziele zu erreichen verfolgt die Komax Gruppe vier strategische Stossrichtungen:
Selektive Akquisitionen
Die Komax Gruppe will primär organisch wachsen. Im Rahmen einer klar definierten Akquisitionsstrategie, die sich an den vier strategischen Stossrichtungen orientiert, prüft sie zudem sorgfältig potenzielle Übernahmekandidaten und Übernahmegelegenheiten. Die Akquisitionen der vergangenen Jahre trugen wesentlich zur Umsetzung der strategischen Stossrichtungen bei. Der Zusammenschluss mit der Schleuniger Gruppe im Jahr 2022 war ein historischer Moment. Er ermöglicht bedeutende Fortschritte in allen vier Stossrichtungen.
Die Komax Gruppe konzentriert sich hauptsächlich auf vier Marktsegmente. Kerngeschäft ist das Marktsegment Automotive mit einem Umsatzanteil von rund 75%.
Automotive
Dies ist das mit Abstand wichtigste Marktsegment der Komax Gruppe. Die Menge an zu verarbeitenden Kabeln ist in keinem anderen Markt so gross. Bei momentan jährlich 70 bis 90 Millionen produzierten Fahrzeugen, von denen jedes durchschnittlich rund 1'600 Kabel mit 2'600 Crimpkontakten enthält, ist der Bedarf an Automatisierungslösungen enorm hoch. Durch die Zunahme von elektrischen Funktionen ist die Tendenz steigend. Zudem besteht noch viel Potenzial für zusätzliche Automatisierung von bisher handgefertigten Kabelbäumen.
Data-/Telecom
Die Übertragung von grossen Datenmengen und das permanente Vernetzen von Personen gehören im Marktsegment Data-/Telecom zum Standard. Dazu verwendete Kabel werden immer häufiger auch in Fahrzeugen eingesetzt. Denn diese werden zunehmend vernetzter und verfügen über umfassende Informationssysteme, die in Zukunft das autonome Fahren ermöglichen werden. Die aus dem Marktsegment Data-/Telecom gewonnenen Erfahrungen kann die Komax Gruppe somit auch im Marktsegment Automotive nutzen.
Aerospace
Sicherheit, Leichtbau und Reduktion von Emissionen haben in der Luft- und Raumfahrt einen sehr hohen Stellenwert. Die Einstiegshürden für Zulieferer sind sehr hoch. Die Komax Gruppe verfügt über viel Know-how im Aerospace-Bereich, wo die Automatisierung der Kabelverarbeitung noch auf sehr tiefem Niveau ist. Die Komax Gruppe kann diese Erfahrungen für ihr Kerngeschäft nutzen, da Erkenntnise aus dem Aerospace-Bereich auch in der Automobilindustrie immer wichtiger werden.
Industrial
Bei der Kabelverarbeitung für industrielle Anwendungen, beispielsweise bei elektrischen Schaltschränken, geht es oft um sehr kleine Losgrössen. Damit eine Automatisierung für den Schaltschrankbauer dennoch wirtschaftlich ist, hat Komax spezifische Maschinen des Typs Zeta entwickelt. Die automatisierte Kabelverarbeitung hält immer häufiger auch bei industriellen Anwendungen Einzug. Um das vorhandene Potenzial im Schaltschrankbau noch besser nutzen zu können, hat die Komax Gruppe im Jahr 2020 gemeinsam mit weiteren Technologieführern die Smart Cabinet Building Initiative gegründet.
Service
In allen Marktsegmenten profitieren Kundinnen und Kunden vom globalen Vertriebs- und Servicenetzwerk der Komax Gruppe. Mit Komax Care hat die Komax Gruppe ein internationales Servicevertragskonzept geschaffen, das ihre Kundinnen und Kunden dabei unterstützt, das Beste hinsichtlich Produktivität, Verfügbarkeit und Qualität aus ihren Maschineninvestitionen herauszuholen. Mit Komax Care lassen sich individuelle Servicepakete zusammenstellen, die optimal auf die Bedürfnisse der Kundschaft abgestimmt sind. Dazu gehört auch die Komax Academy. Diese bietet ein modulares Schulungsprogramm mit drei Kompetenzstufen und über 100 Online-Trainings an.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Komax Gruppe ist ihre starke Marke. Die Markenstrategie ist daher ein wichtiges Element in der Umsetzung der Gesamtstrategie der Komax Gruppe. 2022 wurde in der Komax Gruppe ein Rebranding-Prozess durchgeführt:
Akquisitionen entlang der Wertschöpfungskette
Durch verschiedene Akquisitionen in den vergangenen Jahren hat sich die Komax Gruppe zu einem Anbieter von Lösungen und Services entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickelt. Dadurch sind die Unternehmen und Produkte, die hinter den einzelnen Marken standen, immer näher zusammengerückt. Damit sich dies auch im visuellen Auftritt widerspiegelt, wurde vor dem Zusammenschluss mit Schleuniger auf die Marke Komax fokussiert. Die bestehenden Marken Artos, Exmore, Kabatec, Laselec, Thonauer und TSK wurden aufgegeben.
Mehrmarkenstrategie mit Schleuniger
Durch den Zusammenschluss mit Schleuniger wird die Komax Gruppe in den kommenden Jahren auf eine Mehrmarken-Strategie setzen. Denn neben der Marke Schleuniger kamen auch die Marken adaptronic, Cirris und DiIT neu dazu. Im Rahmen der Erarbeitung der neuen Strategie der Komax Gruppe wird die Positionierung der einzelnen Marken weiter geschärft.
Die Fähigkeit, kontinuierlich Innovationen zu entwickeln und so ihren Kundinnen und Kunden echte Wettbewerbsvorteile zu ermöglichen, ist für ein marktführendes Unternehmen wie die Komax Gruppe von höchster strategischer Bedeutung. Deshalb wendet die Komax Gruppe jährlich rund 8–9% des Umsatzes für Forschung und Entwicklung auf. Durch den Zusammenschluss mit Schleuniger eröffnen sich nun zusätzliche Möglichkeiten.
Seit 2018 hat die Komax Gruppe CHF 212.4 Millionen für Forschung und Entwicklung aufgewendet und sich damit in eine führende Position gebracht, um die Automatisierung der Kabelverarbeitung weiter voranzutreiben und den Umbruch der Automobilindustrie mitzuprägen. Für die Komax Gruppe ist dies eine entscheidende Vorinvestition, um die Chance für zusätzliche Alleinstellungsmerkmale nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit sichern zu können.
Elektromobilität
Die Komax Gruppe unterstützt den beschleunigten Wandel zur Elektromobilität. Für die Komax Gruppe ist diese Entwicklung vielversprechend: einerseits aufgrund ihres Lösungsportfolios für die Verarbeitung von Hochvoltkabeln und andererseits, weil neue Elektrofahrzeug-Modelle oftmals über modernste Assistenzsysteme – als Grundlage für das autonome Fahren – sowie Infotainmentsysteme verfügen. All diese Systeme benötigen eine Vielzahl von Spezialkabeln, die dem Unternehmen zusätzliche Absatzmöglichkeiten bieten. Die Komax Gruppe ist für diese Entwicklungen sehr gut positioniert und unterstützt sie massgeblich mit innovativen Lösungen.
Digitale Transformation
Die digitale Transformation ist von grosser strategischer Bedeutung für die Komax Gruppe. Sie ist mit namhaften Investitionen verbunden. Diese Investitionen werden sich mittel- und langfristig auszahlen und die Profitabilität sowie die Technologieführerschaft sichern.
SMART FACTORY by KOMAX
Trotz der steigenden Komplexität müssen Kundinnen und Kunden der Komax Gruppe zuverlässig konstant hohe Qualität liefern – und dabei die Kosten möglichst tief halten. Damit dies machbar ist, stellt die Komax Gruppe ihren Kundinnen und Kunden die SMART FACTORY by KOMAX bereit, mit der sie Produkte und Lösungen erhalten, welche die Qualitätskosten massgeblich reduzieren und die Produktivität der Kabelverarbeitung deutlich steigern. Dadurch erreicht die Komax Gruppe gemeinsam mit ihrer Kundschaft, dass Endkundinnen und -kunden intelligente Produkte erhalten, die nicht nur kontinuierlich besser werden, sondern auch verlässlich funktionieren und erschwinglich sind.
Zusammenarbeit mit verschiedenen Initiativen
In Gemeinschaftsprojekten gestaltet die Komax Gruppe den Technologiewandel aktiv mit. Zum Beispiel ist im Schaltschrankbau viel Automatisierungspotenzial vorhanden. Um dieses zu nutzen hat die Komax Gruppe gemeinsam mit führenden Technologieunternehmen 2020 die Smart Cabinet Building Initiative gestartet. Durch die Vernetzung von Technologie und Expertise sollen über alle Prozessschritte ganzheitliche Lösungen für die heutigen und zukünftigen Herausforderungen im Schaltschrankbau bereitgestellt werden. Die Expertisen der fünf Partner ergänzen sich dabei hervorragend. Auch im Bereich Digitalisierung, arbeitet die Komax Gruppe in verschiedenen Organisationen mit führenden Unternehmen zusammen.
Überdurchschnittliche Profitabilität und nachhaltiges Wachstum sind wichtige Ziele für die Komax Gruppe. Dazu gehört auch ein umweltbewusstes, soziales und verantwortungsvolles Handeln gegenüber allen Anspruchsgruppen.
Ambitionierte Ziele bis 2023
Die Komax Gruppe zeichnet sich durch eine starke Eigenkapitalbasis aus und hat sich bis 2023 ambitionierte Ziele für Wachstum und Profitabilität gesetzt. Sie will über profitables Wachstum den Wert des Unternehmens kontinuierlich steigern. Basierend auf Analysen von IHS Markit zur Entwicklung des Automobilmarkts definierte der Verwaltungsrat Anfang März 2020, das heisst, bevor sich das Ausmass und die Folgen der Corona-Pandemie zeigten, Umsatz- und EBIT-Ziele für 2023 und bestätigte die attraktive Ausschüttungspolitik.
In diesen Zielen sind die zusätzlichen Umsatz- und EBIT-Beiträge, die der Ende August 2022 vollzogene Zusammenschluss mit Schleuniger mit sich bringt, nicht enthalten. Aufgrund der Entwicklungen in den globalen Märkten der Komax Gruppe und des grossen Einsatzes der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnte das Unternehmen diese Ziele bereits im Berichtsjahr erreichen.